Donnerstag, 26. Februar 2015

Eine Interpretation des Märchens „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“




Oftmals ist dieses Märchen bloß unter dem Titel „Der Froschkönig“ vorzufinden. Der Zusatz „oder der eiserne Heinrich“ kommt in den meisten Wiedergaben weder im Titel noch im Inhalt vor. In dem Märchen nach den Brüdern Grimm deutet das Aufkommen des eisernen Heinrichs auf eine gedankliche Trennung des Märchens und auf dessen Wichtigkeit. Im ersten Abschnitt des Märchens wird demnach die Geschichte des „Froschkönigs“ erzählt. Die wichtigsten Figuren in diesem Abschnitt sind neben dem Frosch, die Königstochter und der König. Im zweiten Abschnitt dahingegen ist es allein der „eiserne Heinrich“, der als der treue Diener des Königsohns in den Vordergrund gerückt wird.
Es ist bemerkenswert, dass der im Titel als „eisern“ beschriebene Heinrich in der Erzählung stets mit dem Adjektiv „treu“ gekennzeichnet wird: „der Diener des jungen Königs, das war der treue Heinrich.“


Es ist augenscheinlich, dass die Beziehung zwischen dem Königssohn und dem Diener auf dem System des Lehnswesens beruht, demnach eine rechtliche Grundlage vorzeigt, in der sich der Lehnsherr und der Vasall die gegenseitige Treue versprechen. Nennenswert ist hierbei jedoch, dass diese Treue besonders in Zusammenhang mit dem Diener betont wird. Diese Kennzeichnung kann zwei Bedeutungen mit sich führen. Zum einen kann damit auf die zwingende und erwartete Gefolgschaft des Dieners von Seiten seines Königs und zum anderen auf die selbstverständliche Loyalität des Dieners gedeutet werden. Bei dem „eisernen Heinrich“ in dem grimmschen Märchen kann von Letzterem ausgegangen werden, da er sich aus „Weh und Traurigkeit“ über die Verfluchung des jungen Königs eiserne Bände um sein Herz legen ließ. Und schließlich brechen diese ihm mit der Erlösung seines Herrn. 


Es ist nennenswert, dass in dem letzten Abschnitt des Märchens die Königstochter nicht explizit erwähnt wird. Es wird stattdessen ein Gespräch zwischen dem Königssohn und dem Heinrich geschildert, womit allein die Wichtigkeit dieser beiden Figuren und ihre Beziehung zueinander vorgetragen wird. Sie stehen in dieser Konstellation für das bereits erwähnte Lehnswesen. Während der junge König stellvertretend für jeden Herrn in diesem System steht, kann der „eiserne Heinrich“ nicht bloß auf die Allgemeinheit der Vasallen Bezug nehmen. „Heinrich“ wird nach grimmscher Auffassung nicht nur als ein „Bursche“ angesehen, sondern fasst den Begriff des „Menschen“ in sich. Demzufolge steht der „eiserne Heinrich“ bildlich gesehen für den „treuen Menschen“, der seinem König stets Anhang leistet. Hiermit tritt das System der Gefolgschaft aus der rechtlichen Grundlage heraus und geht in die Ansprache des Pflichtgefühls jedes Menschen über. Die hierin bezeichnete Pflicht beruht auf Treue. Demnach wandelt sich die Definition der Treue im Sinne einer Haltung zu einem festen Bund hin zu einer ethisch bestimmten Haltung des Menschen. Meiner Deutungshypothese zufolge stellt der „eiserne Heinrich“ das Idealbild des Menschen im Königreich dar, das trotz übler oder mangelhafter Verhaltensweisen den Glauben und die Traue zu seinem König nicht verlieren sollte. Dieses Grundvertrauen wird im Märchen schließlich damit belohnt, dass der junge König von seinem Fluch befreit und ein anständiger König wird. „Eisern“ steht für „hart, fest oder unerbittlich“ und soll sich auf die Phase des Geduldig-Seins beziehen.
Diese Phase löst sich auf, wenn die Bänder um das Herz des Heinrichs abbrechen.

Quelle:
Schumann, Willy: „Grimms Märchen. Grimm’s Fairy Tales“. Frankfurt am Main 1997.
http://woerterbuchnetz.de/DWB/ (letzter Aufruf: 26.02.2015)

Mittwoch, 18. Februar 2015

Eine Interpretation des Märchens „Dornröschen“




 Ich habe mir zunächst die Frage zur Definition des „Märchen“-Begriffs gestellt und in der Onlineversion des Deutschen Wörterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm folgende Erläuterungen erhalten:
·   mährchen, in allgemeinster bedeutung, eine kunde, nachricht, die der genauen beglaubigung entbehrt, ein bloszes weiter getragenes gerücht
·         mährchen, in schärferem sinne, für etwas bewust gelogenes, erfundenes
·     mährchen, ferner für ein bloszes phantasiegebild, eine einbildung dessen was sein oder geschehen könnte

Ich zähle diese Erläuterungen hier auf, da sie wichtige Anhaltspunkte zu meiner Interpretation liefern und demnach eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf erhalten. Dem Wörterbuch zufolge ist ein Märchen eine Erzählung, dessen Inhalt zumeist bewusst erfunden oder eine Projektion der Einbildung ist. Demnach ist es kaum bzw. gar nicht möglich Ursachen oder deutliche Erklärungen für ablaufende Handlungen zu erhalten. Handlungen im Märchen folgen fortschreitend und strikt aufeinander ab, wodurch dem Leser Unbegründetes nicht sofort auffällt. Dadurch wird es nicht hinterfragt. Hierzu spielt zudem das Wissen darüber, dass das Märchen eine Erfindung ist, eine wichtige Rolle. Doch das Märchen trägt eine Bedeutung, eine Botschaft, dessen Erkennung meist schwierig ist.
Meiner Meinung nach trägt auch das „Dornröschen“-Märchen eine Botschaft. Auf mich wirkt diese Botschaft  wie ein Appell an die Gesellschaft. Angesprochen werden dabei vor allem Eltern und pubertierende Jugendliche. Zudem wird Kritik an die Eltern und ihre Erziehungsweise Pubertierender geäußert. 


In meinem Kurs „Deutsche Märchen von Grimm bis Rammstein“ benutzen wir zur Analyse und Interpretation der grimmschen Märchen das Buch „Es war einmal. Vom Wesen des Volksmärchen“ von Max Lüthi. Demnach werde ich auch stets Bezug auf seine Interpretationsansätze nehmen. Max Lüthi erläutert seine Interpretation dabei auf zwei Ebenen. Im engeren Sinne bezieht er sich auf den Reifungsprozess der jungen Dornröschen, das sich im hundertjährigen Schlaf entfaltet. Der Stich an der Spindel markiert den Zeitpunkt des Eintritts des Fluches und für Lüthi den Übergang des Kindes zur jungen Frau. Die andere Ebene kann unter dem Begriff „Welthaltigkeit“ zusammengefasst werden. Hierbei bezieht sich Lüthi auf den Schlaf und das Erwachen als Zeichen für Tod und Auferstehung, die den Menschen und seine Seele unmittelbar betreffen. Ich möchte mich jedoch in meiner Interpretation auf den zuerst genannten Ansatz beziehen und Lüthi hierzu zustimmen. Auch ich bin der Ansicht, dass Dornröschens hundertjähriger Schlaf in ihrem fünfzehnten Lebensjahr den Prozess des Reif-Werdens betont. Dabei wird dieser Prozess von zwei bedeutsamen Zeitpunkten eingerahmt. Es handelt sich zum einen um den Stich an der Spindel und zum anderen um den Moment des Erwachsens Dornröschens durch den Kuss. Es ist bemerkenswert, dass diese kurzen Augenblicke einen erheblichen Effekt auslösen. So vollzieht sich zunächst ein Schlaf, der einen ganzen Zeitabschnitt in Dornröschens Leben einnimmt – den Abschnitt, indem sie heranreift. Es wird dadurch deutlich, dass die weisen Frauen wohl wissend in das Reifen der jungen Königstochter einwirken. Die weisen Frauen stehen symbolisch für reife, gereifte, lebenserfahrene Frauen. Ihnen ist der Prozess der Reifung zur jungen Frau bekannt. Der Wunsch der dreizehnten weisen Frau des Todes der Königstochter an ihrem fünfzehnten Geburtstag gilt dabei nur zur Bestrafung des Königs und der Königin, da diese sie nicht zur Feierlichkeit einluden. Der Tod im fünfzehnten Lebensjahr würde für die Eltern den Verlust des Kindes bedeuten, dessen Heranreifung sie nicht erleben würden. Weiterhin würde dem König ein Nachfahre fehlen. Es handelt sich bei dem Wunsch demnach bloß um einen Racheakt, der sich nicht auf das Kind selbst, jedoch indirekt auf dessen Heranreifung bezieht. Auch die zwölfte weise Frau wirkt darauf ein, indem sie durch den Schlaf die Reifung auf einen langen Zeitraum ausdehnt und das Ausreifen mit dem Erwachen kennzeichnet. Demzufolge ist das Reif-Werden Dornröschens der willkürlichen Bestimmung der weisen Frauen unterlegen. Meiner Meinung nach stehen die weisen Frauen für Feen, da sie überirdische Kräfte aufweisen. Feen können daneben als Schicksalsgöttinnen identifiziert werden, die bei der Geburt eines Menschen dessen Schicksal voraussagen. Demnach ist es möglich die weisen Frauen zu einer Oberwelt zuzuordnen. Zu dieser Oberwelt gehört aber auch der fabelhafte Frosch. Es ist bemerkenswert, dass auch dieser einen Reifungsprozess bewirkt. So sagt er voraus, dass die Königin in einem Jahr ein Kind gebären wird. Die Figuren innerhalb dieser Oberwelt beeinflussen demnach stets natürliche Prozesse, die eine weibliche Person vollzieht. Ich würde sogar behaupten, dass sie im Märchen die Quelle der Natürlichkeit einer Frau darstellen. Ein Beispiel hierzu ist das Versprechen des Frosches: „ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen“. Es ist auffällig, dass die Königin sich vorher nicht explizit eine Tochter, sondern nur „ein Kind“ wünschte. Der Mensch selbst kann also keinen Einfluss auf die natürliche Entwicklung der Frau nehmen. So kann der König den Stich an der Spindel trotz der Verbannung jeglicher Spindel im Reich nicht verhindern. Ein weiteres Indiz stellt hierzu das Schlafen jeder einzelnen Person, jedes Tieres und der Elemente im Schloss dar. Nichts und niemand anderes kann sich demnach in das Reifen der Dornröschen einmischen. Die Dornenwand, die sich während dem hundertjährigen Schlaf als einzig lebendiges, waches auftut, stellt eine Parallele zu Dornröschens Situation dar. Nach dem Wörterbuch der Brüder Grimm kann die „Pflanze“ wie folgt definiert werden:

·    im allgemeinen jeder dem pflanzenreiche angehörende, durch anziehung von nahrung,
   wachsthum und fortpflanzung lebenskraft äuszernde naturkörper

·   vergleichend und bildlich mit bezug auf das leben, wachsen, setzen, versetzen,
   fortpflanzen, blühen




Dornröschen ist wie die Dornenhecke ein „Naturkörper“, das den natürlichen Entwicklungen „leben, wachsen (…) fortpflanzen, blühen“ unterworfen ist. Nun bedeutet der erfolgslose Versuch einiger Königssöhne in das Schloss einzutreten, dass eben die Heranreifung innerhalb dieser hundert Jahre noch nicht vollendet ist. Die Heranreifung unterliegt Stadien. Erst wenn „gerade die hundert Jahre verflossen“ sind, ist der Zeitpunkt der Ausreifung Dornröschens vollendet. Die Dornenhecke öffnet sich und ihr blühen Rosen. Dornröschen wird vom Prinzen geküsst, sie erwacht und heiratet ihn. Lüthi schreibt von einer Zurückgezogenheit der Königstochter und dessen Schutz zur Heranreifung, die sich im Schutze der Dornenhecke entwickelt. Ich stimme ihm auch hier zu. 


Die Botschaft, die ich nun in diesem Märchen erkenne lautet: Die Pubertät ist ein natürlicher Prozess die jeder Mensch durchlebt. Es ist ein Reifungsprozess, indem das Geschlecht erwacht und ein neues, verändertes Leben nach dem Kind-Sein folgt. Kritik gilt dabei den Eltern, die ihre Kinder nicht aufklären, Fragen nach dem Natürlichen nicht beantworten oder gar ignorieren. Des Weiteren spricht das Märchen auch Jugendliche an, die während ihrer Pubertät sich zurückhaltend verhalten und auf den „richtigen Zeitpunkt“ warten sollen. Dabei kann auf eine durch die Gesellschaft geforderte „Sittlichkeit“ gedeutet werden, an das sich die Jugendlichen zu halten haben. 

An dieser Stelle möchte ich auf die Kinder-Tragödie „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind aufmerksam machen, da das zentrale Thema dieses Dramas die Heranreifung Jugendlicher,  ihren Umgang und ihre Probleme damit schildert.
Ein Zitat besagt: „ihre Tragödie: ihre kindlich-unschuldige natürliche Menschlichkeit wird von den gesellschaftlichen Normen mißachtet, deformiert, zerstört.“ (Hahn, Manfred: Frank Wedekind. Dramen 1. Berlin und Weimar 1969, S. 11.)

Quelle:
Lüthi, Max: „Es war einmal. Vom Wesen des Volksmärchens". Göttingen 2008.
Schumann, Willy: „Grimms Märchen. Grimm’s Fairy Tales“. Frankfurt am Main 1997.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Die Brüder Grimm

„Es geht durch die Märchendichtung innerlich dieselbe Reinheit, um derentwillen uns Kinder so wunderbar und selig erscheinen. Kindermärchen sollen erzählt werden, damit in ihrem hellen und reinen Lichte die ersten Gedanken und Kräfte des Herzens aufwachen und wachsen.“
                        Jacob Grimm


Zweifellos sind die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm bekannt für ihre Märchen-Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“, welches erstmals am 20. Dezember 1812 und 1857 in der Ausgabe letzter Hand erschien. Die Motivation für die Arbeit an dieser Sammlung erhielten sie 1803, als sie den beiden Romantikern Clemens Brentano und Achim von Arnim begegneten. Jacob und Wilhelm Grimm befanden sich gerade in dem Studium der Rechte an der Universität zu Marburg, als sie an der  Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ der beiden Romantiker mit Fundstücken mitwirkten. Hierbei verfolgten Clemens Brentano und Achim von Arnim die Bewahrung historischer und volkstümlicher Liedtexte vor dem Vergessen-Werden. Dieser Aspekt holte in den Brüdern den Wunsch der Verschriftlichung von bislang mündlich überlieferten Märchen hervor. Und so begannen sie nach dem Umzug nach Kassel im Jahre 1806 zu sammeln. Es ist zudem das Jahr, in dem Jacob Sekretär beim hessischen Kriegskollegium in Kassel wird und Wilhelm das juristische Examen in Marburg besteht. Zur historischen Abfolge ist es erwähnenswert, dass Kassel im selben Zeitraum von französischen Truppen eingenommen wurde. Mit der Errichtung des „Westphälischen Königreichs“ durch Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte 1807, scheidet Jacob aus seinem Amt und wird 1808 königlicher Bibliothekar. Nach dem Tod des Vaters 1796, verlieren die Brüder nun auch ihre Mutter. 1809 beginnt auch Wilhelm unter der Regierung Jérômes zu arbeiten. Er wird Staatsauditor. 1811 sind die Brüder erstmals wieder in Kassel vereint, da Wilhelm 1809 einen Kuraufenthalt in Halle hatte. Zunächst veröffentlichen die Brüder eigenständige Werke: Jacob Grimm „Über den altdeutschen Meistergesang“ und Wilhelm Grimm „Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen“. 

 
Schließlich folgen 1812 erste gemeinsame Veröffentlichungen zu denen auch die erste Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ gehört. Die Sammeltätigkeit der Brüder Grimm ist hierbei nicht bloß durch die Sammlung schriftlicher Überlieferungen gekennzeichnet, sondern vielmehr durch die Schöpfung der Märchen aus mündlichen Quellen. Zu ihren wichtigsten Beiträgern gehört Dorothea Viehmann, eine gebildete Frau hugenottischer Herkunft. Dorothea Viehmann war mit französischen Märchen und regionalen Erzähltraditionen vertraut und konnte demnach den Brüder Grimm mit vielen Märchen Unterstützung bieten. Weitere Beiträger waren die sechs Töchter der Apothekerfamilie Wild, die Jacob und Wilhelm Grimm mit italienischen, süddeutschen und rätoromanischen Märchenelementen bekannt machten. Im Gesamten weist die erste Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ fünfzig  Märchenpaten auf. So kam beispielsweise in den Geschichten, die der Dragonerwachtmeister Johann Friedrich Krause erzählte,  nie eine weibliche Heldin oder eine schöne Fee vor, aber stattdessen Hexen oder garstige alte Frauen. Demgegenüber kamen in den Märchen, die Marie und Jeannette Hassenpflug erzählten, schöne Jungfrauen und bezaubernde Prinzessinnen vor. Beide Frauen wiesen hugenottische Wurzeln auf. 



Unerwarteter Weise konnte die Erstausgabe kein weites Spektrum an Interessenten erobern. Der Grund hierfür lag womöglich an den unterschiedlichen Erzählstilen und den irritierenden Grausamkeiten, die aufgeführt wurden. Zudem kamen wissenschaftliche Anmerkungen der Brüder Grimm vor, die nicht dem Geschmack des Lesers entsprachen.
1813 wurde das Kurfürstentum Hessen wieder errichtet und Jacob erhielt die Berufung zum Legationssekretär. Ein Jahr später wurde Wilhelm Bibliothekssekretär in Kassel. 1815 nahm Jacob Grimm am Wiener Kongress teil und wurde 1816 Bibliothekar in Kassel. 
Nennenswert ist die Veröffentlichung der  zweiten Auflage zu den „Kinder- und Hausmärchen“, welches jedoch auch erfolgslos blieb. Für Jacob spielte der Erfolg seiner Sammlung keine wichtige Rolle, er strebte bloß nach der Sicherung einer mündlichen Kultur in wissenschaftlicher Form. Dahingegen behielt Wilhelm Grimm die kindliche Leserschaft im Auge und entwickelte seinen eigenen romantischen Märchenstil. 1819 wurde somit eine Neuauflage veröffentlicht, die Wilhelms Korrekturen enthielt. Dazu veränderte er beispielsweise böse Mütter zu Stiefmüttern und nackte Prinzen zu prächtig gekleideten Prinzen. Unmoralische Geschichten wurden den bürgerlichen Wertvorstellungen angepasst. Nach und nach entwickelte sich die Märchen-Sammlung somit zum Bestseller. 

 
Im Jahre 1819 erhielten die Brüder Grimm zudem die Ehrendoktorwürde der Universität zu Marburg. 1825 erschien die „Kleine Ausgabe“ bestehend aus fünfzig ausgewählten Märchen und Illustrationen, die vom jüngeren Malerbruder  Ludwig Emil Grimm erstellt wurden. Vier Jahre später wurden die Brüder Grimm an die Universität Göttingen berufen. Daraufhin wurden Jacob und Wilhelm ein Jahr später zu Bibliothekaren und  Jacob zudem zum Professor in Göttingen. 1831 wurde Jacob schließlich zum außerordentlichen Professor und Wilhelm 1835 zum ordentlichen Professor ernannt. Da sie gegen den Verfassungsbruch des neuen Königs Ernst August in Hannover protestieren wurden die Brüder Grimm1837 aus dem Staatsdienst entlassen. Aufgrund dessen kehrten die Brüder nach Kassel zurück. 

1840 wurden sie an die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin berufen, sodass sie ein Jahr später nach Berlin übersiedelten. 1842 wurde Jacob mit dem preußischen Orden „Pour le mérite“ ausgezeichnet und 1848 wurde er Abgeordneter in der ersten Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.
Im selben Jahr gibt er seine Lehrtätigkeit auf. Auch Wilhelm gibt seine Lehrtätigkeit auf, jedoch erst vier Jahre später. 


Der am 24. Februar 1786 in Hanau geborene Wilhelm Grimm stirbt am 16. Dezember 1859 in Berlin.
Sein älterer Bruder Jacob kam am 4. Januar 1785 in Hanau auf die Welt und starb am 20. September 1863 ebenfalls in Berlin. Beide sind in Berlin begraben. 



Quellen: